Wie alles anfing...

Wie aus meinem Faible für Sportwagen, eine Liebe zu Roadtrips entstand und was thepluses damit zu tun haben, erzähle ich Euch in diesem Beitrag.

Vorwort

Der Leasingvertrag für unser damaliges Fahrzeug - ein Infiniti FX50 S - lief ab, und ich musste mich um ein neues Fahrzeug kümmern. Für mich stand eigentlich seit geraumer Zeit fest, dass es ein Audi RS6 wird. Um aber zumindest noch eine weitere Option zu haben, nutzte ich meinen guten Kontakt zum Autohaus MKM Huber in Wasserburg und fragte dort bezüglich einer Probefahrt mit einem Nissan GT-R an. Ich habe den GT-R zwar häufig bei meinen regelmäßigen Besuchen bei Huber gesehen, mich aber eigentlich nie ernsthaft dafür interessiert. Bereits eine Woche später war es soweit: Sonja und ich fuhren nach Wasserburg und durften den GT-R für eine Probefahrt mitnehmen. Zugegeben, ich war etwas aufgeregt, da man mich immer wieder darauf hinwies, dass es schon etwas anderes sei mit dem GT-R zu fahren. Ich habe die Worte zwar zur Kenntnis genommen, die Information aber als etwas albern abgetan, bin ich doch vor dem Infiniti 5 Jahre lang einen Audi RS4 gefahren: ich weiß also was schnell ist. So zumindest dachte ich, bis folgendes geschah:

Es war kurz vor Ortsende. Wir hatten einen Lastwagen vor uns. Das Öl hatte 75 °C und es kam kein Gegenverkehr. Ich schaltete zurück vom dritten in den zweiten Gang und gab Vollgas. Die Drehzahl stieg auf ca. 5000 U/min an, die Turbos heulten auf und der Wagen beschleunigte mit einer dermaßen unbeschreiblichen Kraft, wie ich es nie zuvor erlebt hatte. Sonja, die mich vom Beifahrersitz aus mit völlig ungläubigem Blick ansah, war sämtliches Blut aus dem Gesicht gewichen und sie hatte Mühe ihr Entsetzen in Worte zu fassen: "Spiiiiiiiiinnnnnnnst Duuuu?". Meine Entscheidung war gefallen!

E-Mail an Can

Nachdem die Probefahrt einige Tage zurück lag, und mein Gehirn - wenn auch sehr träge - wieder auf "Familienvater-Modus" schaltete, fing ich an mir darüber Gedanken zu machen, wie realistisch es wohl ist, einen GT-R - wenn auch als Zweitwagen - als Familienauto zu haben. Das Auto ist zwar als 2+2 Sitzer deklariert, aber kann man das seinen Kindern wirklich antun? Klar, mal eine Fahrt zur Schule und wieder zurück, aber wenn ich so ein Auto habe, dann möchte ich damit auch in den Urlaub fahren können. Alleine der Gedanke daran, dass ich es in Erwägung zog, rief ein schlechtes Gewissen in mir hervor. Ich beschloss einfach mal Google zu fragen, ob es da draußen noch andere, genauso wahnsinnige Väter gibt, die Ihre Kinder in das Heck eines solchen Sportwagens quetschen und mit der Gattin auf der Beifahrerseite, mehrere Stunden in Richtung Süden fahren. Google antwortete:

> "Ja, gibt es: Can"

"YES", schrie es mit geballter Faust in mir auf, ich bin nicht alleine! Und der Typ hat ja noch 'nen viel größeren Knall als ich: 4000km quer über die Pyrenäen? Das kommt für mich ja gar nicht in Frage! Maximal eine Fahrt nach Italien oder so! "Heute wird sich der ein oder andere an dieser Stelle ein Schmunzeln wohl nicht verkneifen können..."

Dieser Beitrag nahm mir zwar etwas das Gefühl, der schlechteste Vater der Welt zu sein, dennoch, ich konnte doch eine solche Entscheidung nicht aufgrund eines gelesenen Blogartikels treffen! Und so beschloss ich, diesem Can, einfach eine E-Mail zu schreiben.

thepluses besuchen uns

Aus dieser einen E-Mail wurden unzählige weitere und zwischen Can und mir entwickelte sich so etwas wie eine moderne Brieffreundschaft. Schlussendlich entschied ich mich für den GT-R. Außerdem nahmen thepluses, die ihren nächsten Trip in die Dolomiten planten, mein Angebot an, uns vorher zu besuchen. Can unterbreitete mir sogar das Angebot, sie einen Tag lang zu begleiten, was witzigerweise genau passte, denn wir, die wir ferienabhängig sind, beschlossen zum gleichen Zeitpunkt unsere Jungfernfahrt nach Italien zu unternehmen. Ich war zwar anfangs etwas skeptisch, ob die Reisegeschwindigkeit von thepluses mit der meiner Frauen korrespondierte, aber ich ließ es einfach darauf ankommen. Wir konnten uns ja jederzeit trennen, sollte es Sonja oder den Kids zu rasant werden.


Und dann kam er, der 14. Mai 2016. Can hat mir im Vorfeld geschrieben, dass sie erst ab dem frühen Nachmittag in Köln losfahren können, da er den Porsche relativ spät geliefert bekommt. Ab 14:00 Uhr konnten wir die Gruppe per Glympse auf Handy und Tablet verfolgen. Als Sebastian im R8 zwischenzeitlich mal die 300km/h überschritt, war meine Frage mit der Reisegeschwindigkeit beantwortet. Je näher sie kamen, desto größer wurde meine Aufregung und ganz offensichtlich steckte ich meine Mädels damit an. Die standen mittlerweile beide mit den Tablets in der Hand vor dem Fenster und warteten darauf, dass die beiden Punkte auf dem Display endlich - in echt - auf dem unweit entfernten Hügel auftauchen würden. Die Köpfe gingen ständig hoch und runter, Display, Hügel, Display, Hügel, Display... und dann, noch bevor man die Autos in der Ferne sehen konnte, hörte man das laute Grölen des R8.

Bei uns in der Auffahrt angekommen, blieben der aggressiv wirkende Audi R8 V10 Plus in vegasgelb, sowie der Porsche 911 Turbo in saphirblaumetallic von den autobegeisterten Nachbarjungs nicht lange unentdeckt und so tummelten sich bald alle um die beiden Hingucker.

Sonat, der Sohn von Belgin und Can, brauchte ganze 5 Sekunden um aufzutauen und sich bei uns einzuleben. Er verschwand sofort mit unseren Mädels nach oben, wo er seine fundierten Sachkenntnisse über den Porsche-Turbo und den Audi R8 zum besten gab, während die Mädels Schwierigkeiten hatten zu unterscheiden, wann er von dem gelben und wann von dem blauen Auto sprach. Zusammen verbrachten wir einen wunderschönen Abend bei Spaghetti, Bier bzw. Wein und vielen netten Gesprächen, bei denen wir uns etwas kennen lernen konnten.

3 Kurven, dann war Schluss

Am nächsten Morgen ging es dann, nach einem ausgiebigen Frühstück, los in Richtung Innsbruck, wo uns mit dem Penser Joch der erste Pass erwartete. Wir wurden mit einem Funkgerät ausgestattet und konnten uns so einerseits mit allen verständigen, andererseits aber auch die ständigen Frotzeleien zwischen Can und Sebastian verfolgen, die uns vor lauter Lachen immer wieder Tränen in die Augen trieben. Dank dem Verkehr und der Beschränkung auf österreichischen Autobahnen war auch die Geschwindigkeit kein Thema, zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir die Autobahn kurz nach Sterzing verließen und das Penser Joch ansteuerten. Sebastian fuhr mit Katrin im R8 voraus, gefolgt von Can, Belgin und Sonat im Porsche. Wir waren an dritter Stelle und hatten noch den Q7 - das Kamerafahrzeug - hinter uns.

  • Erste Kurve:
    Sonja streckte ihre Beine ganz aus, um die Füße so fest wie möglich gegen das Bodenblech zu pressen. Ihre rechte Hand umklammerte den Griff an der Türe, mit der linken stützte Sie sich gegen die Mittelkonsole.
  • Zweite Kurve:
    Sie fragte mich entsetzt, ob das jetzt die ganze Zeit so geht, ohne dabei den Blick von der Straße zu nehmen.
  • Dritte Kurve:
    "Robin, ich kann das nicht! ..."

Das war mein Stichwort, hatte ich doch versprochen die Fahrt sofort abzubrechen, sollte es irgendjemandem im Auto zu schnell werden. Gesagt: getan. Wir ließen Cem, Milena und Jonas im Q7 passieren und fuhren, in angepasster Geschwindigkeit, in Richtung Passhöhe.

Ohrenbetäubendes Geschrei im GT-R

Für mich stand eigentlich fest, dass wir uns nach dieser Fahrt trennen würden, denn der Unterschied wie thepluses ihre Autos durch die Berge bewegten und dem was Sonja noch als erträglich empfand, lag soweit auseinander, dass eine Annäherung aussichtslos war. Als wir oben beim Mittagessen zusammen saßen, fingen Milena und Belgin an von ihren ersten Fahrten zu erzählen und dass es Ihnen anfangs nicht anders erging als Sonja, sie sich aber schon nach kurzer Zeit an die Geschwindigkeit gewöhnt hätten und es mittlerweile als angenehm und aufregend empfinden würden in dieser Art und Weise unterwegs zu sein. Während der Abfahrt blieben wir in einer Gruppe und machten am Fuße des Berges nochmal Halt um Fotos von den Autos zu machen. Ich wurde von Can und Sebastian zu meinem Auto interviewed, während die kleinen Mädels mit Sonat auf der Wiese spielten und die großen Mädels sich in der Sonne entspannten. Am Abend im Hotel, fragte ich meine 3 Frauen, ob sie den nächsten Tag wieder mit thepluses verbringen, oder lieber alleine weiter fahren möchten. Die Antwort war klar, einstimmig und kam wie aus der Pistole geschossen: "...dabei bleiben!"

Und so ging es am nächsten Morgen, nach einem kurzen Tankstopp, in Richtung Sellajoch.

Die ersten Kehren fuhren wir aufgrund vorausfahrender Fahrzeuge in gemäßigter Geschwindigkeit. Erst im letzten drittel des Passes hatten wir freie Fahrt. Entsprechend beschleunigte Can im vorausfahrenden Porsche, gefolgt von Sebastian im R8. Da Sonja wesentlich lockerer war als am Tag zuvor, dachte ich mir, wir können gleichziehen und beschleunigte ebenfalls. Aber weit gefehlt! In unserem Auto zeichnete sich eine Geräuschkulisse ab, die selbst bei höheren Drehzahlen den kompletten Motorensound verschluckte. "Rooooooobiiiiiiiin, Paaaaaaaapaaaaaaaaaaaaa, Rooooooobiiiiiiiin, Paaaaaaaapaaaaaaaaaaaaa, RooooPaaapaaaaooobiiiiiin-aaaaaaa...", und dann waren wir schon oben. Die Schreie verstummten schlagartig und wandelten sich in ein fröhliches Gelächter. Der Frage von Sebastian, ob es denn heute Spaß gemacht hätte, wurde ein jubelndes "Jaaaa!" entgegnet. Ich muss zugeben, ich war ziemlich verwirrt!

Sonja am Steuer, mit dem Messer zwischen den Zähnen

Nun begannen die Dreharbeiten. Jonas filmte aus der Vogelperspektive mit Hilfe einer Drohne, während Sebastian und Can den Pass mehrmals hoch und wieder runter fuhren und dabei von Milena per Funkgerät angewiesen wurden. Wir anderen genossen den Blick von der Passhöhe, aßen und tranken etwas und unterhielten uns. Als ich beim nächsten Pass von Can, Sebastian und Jonas gefragt wurde, ob ich bei den Aufnahmen auch mitfahren möchte, musste ich natürlich nicht lange überlegen! Eine Fahrt im Konvoi ohne Geschrei im Auto - Sonja und die Mädels konnten ja oben bleiben und zusehen - wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Tja, abermals weit gefehlt. Sonja wollte dabei sein! Ich verstand die Welt nicht mehr. Vor allem, es war immer wieder das gleiche Muster: wir fuhren unten los, das schrille- und eindringliche Geschrei begann und verstummte erst wieder, als wir oben ankamen, quittiert von einem strahlenden Lächeln. Kann mir das jemand erklären?


Am dritten Tag war dann Fahrertausch angesagt: die Frauen fuhren. Sonjas Unsicherheit verschwand unmittelbar nach einlegen des ersten Ganges. Ihr machte es sichtlich Spaß Godzilla durch die Serpentinen zu leiten und zu versuchen, Belgin und Katrin am Heck zu kleben. Leider machte uns ein Motorradfahrer, den Belgin und Katrin noch überholen konnten, einen Strich durch die Rechnung. Erst als der Porsche und der Audi schon weit außer Sichtweite waren, schoss Sonja an dem Zweirad vorbei, klemmte sich ein imaginäres Messer zwischen die Zähne und startete eine Aufholjagd.

Ok! Jetzt hatte ich Angst. Damit war ich aber offensichtlich alleine im Auto, denn die Mädels im Fond, fanden es sichtlich toll wir ihre Mama am Steuer des 550PS starken Sportwagens agierte. Ich versuchte gute Miene zum bösen Spiel zu machen und setzte mein etwas peinlich aussehendes Dauergrinsen auf. Mit zusammengekniffenen Augen versuchte ich mich daran zu erinnern, was für eine sichere Autofahrerin meine Frau doch ist und dass die Steinmauer, die rechts neben mir vorbeirauschte, eigentlich gaaaanz weit weg ist. Kurz vor Passhöhe, ihr werdet es nicht glauben, hat Sonja es wirklich geschafft die beiden erfahrenen Fahrerinnen wieder einzuholen und ich würde lügen, müsste ich behaupten, dass mich das nicht stolz gemacht hätte.

Der Abschied

Am Morgen des fünften Tages machte sich bei uns vieren etwas Wehmut breit, wussten wir doch, dass es heute keine Abstimmung mehr darüber geben würde, ob wir weiter mit thepluses unterwegs sein möchten, oder nicht. Wir hatten für die folgenden Tage ein Hotel in San Remo gebucht und mussten somit weiter ziehen. Nach diesen unzähligen schönen Momenten und der vielen Zeit die wir miteinander verbracht hatten, viel es uns wirklich schwer, uns nach dem Frühstück zu verabschieden und die Gruppe zu verlassen.

Noch am Abend des gleichen Tages saßen Sonja und ich in unserem Hotelzimmer in San Remo und ließen die letzten Tage Revue passieren. Bei dem Versuch uns zu erinnern, wann wir was erlebt, wann wir in welchem Hotel übernachtet und wer wann auf welcher Seite des Bettes geschlafen hatte, viel uns auf, dass wir eigentlich gar keine Lust hatten jetzt noch 5 Tage lang im selben Ort und dem selben Hotel zu bleiben. Wir sahen uns an - und uns war in diesem Augenblick beiden klar: wir sind infiziert! Der Roadtrip-Virus!

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