Roadtrip durch die Toskana

Viareggio, Pietrasanta, Lucca, Siena und Florenz: Nur einige der wunderschönen Orte, die man entlang der Toskana erkunden kann. Was bietet sich dafür mehr an als ein Roadtrip?

Des Autoenthusiasten Frühlingsgefühle

Sehr zäh verabschiedet sich der Winter 2017, dennoch: mit den ersten Sonnenstrahlen manifestiert sich der Wunsch in mir, die Winter- gegen die Sommerräder einzutauschen, das Salz vom Lack zu waschen und die erste Frühlingsfahrt zu unternehmen. Aber wohin?

Einfach nur in der Gegend herumzufahren mit dem Ziel, am Abend wieder zu Hause anzukommen, erscheint mir irgendwie sinnlos. Ich brauche ein Ziel - wenn auch nur grob definiert.

 

Sind jetzt dann nicht irgendwann Osterferien? Wir könnten doch dem italienischen Osterhasen die Möglichkeit einräumen bei uns vorstellig zu werden.

Wie der wohl aussieht? 

Vor mir sehe ich einen Hasen im italienischen Fußball-Ländertrikot, mit schmalem Oberlippenbart, der Schokoladengnocchis und Nugatspaghetti im Parmesankörbchen versteckt. Puh, ich scheine wohl Hunger zu haben.


Als grobes Ziel legte ich somit die Toskana fest und fing an die Tour immer weiter auszuschmücken. Sehr wichtig war mir unsere Erfahrungen des Pyrenäen-Roadtrips einfließen zu lassen. Die Fahrtzeit sollte - von An- und Rückreise abgesehen - nie mehr als 4 Stunden betragen. Außerdem sollten Aufenthalte dabei sein, die vor allem unseren beiden Mädels gefallen würden.


Schnell hatte ich eine Route zusammengestellt, die für jeden von uns einige Highlights bot.

Tag 1: Pass Thurn, Passo di Falzarego und Pordoijoch

Wir starteten total entspannt und ohne Frühstück am Vormittag des 10.04.2017. Warum ohne Frühstück? Für den ein oder anderen mag sich das etwas lächerlich anhören, aber bei uns hat sich das so eingebürgert. Bereits das Frühstück am Abreisetag soll sich schon nach Urlaub anfühlen und entsprechend in den Tag integriert werden. So hatten wir unser Frühstück kurz vor Mittag irgendwo in den Bergen, in einer kleinen familienbetriebenen Gaststube. Es gab leckeren Cappuccino, Schinken und Käse, Marmelade und ganz wichtig im Urlaub: Nutella - das Echte!


Obwohl wir die Pässe schon alle kannten, war es aufregend nach der langen Winterpause durch die noch teils verschneite Landschaft zu fahren und zu sehen, wie der Winter mit dem sonnen-erfüllten Frühling rang.


Unser erstes Ziel hatte ich bereits am Tag vor der Abfahrt gebucht, somit war ausgeschlossen, dass wir unter Umständen doch noch weiter fahren würden. Nach Ankunft hatten wir dadurch noch genügend Zeit, die wir teils zu viert in dem kleinen Indoor-Pool und teils zu zweit im angrenzenden Saunabereich verbrachten. Gegen Abend machten wir uns auf den Weg den kleinen Ort Moena zu erkunden. Da es Montag war, hatten die meisten Gaststätten geschlossen, wir fanden aber direkt neben dem Hotel ein nettes Lokal in dem wir sehr, sehr lecker zu Abend gegessen haben.


Tag 2: Karerpass, Lavazéjoch und dann zum Gardasee

Nach dem Frühstück im Hotel verließen wir die Region über den Karerpass und steuerten das uns bislang noch unbekannte Lavazéjoch an. Und ich muss sagen ich war wirklich sehr positiv überrascht: Eine breite, gut ausgebaute Straße, die sich durch bewaldetes Gebiet den Weg zur Passhöhe hinauf bahnt. Dadurch, dass man nicht Spitzkehre an Spitzkehre hat, kommt man in einen sehr angenehmen Fahrfluß, der sowohl mit mäßiger, als auch mit sportlicher Fahrweise sehr viel Spaß bereitet. Mit dem Lavazéjoch hatten wir den letzten Pass auf der Route dann auch hinter uns gelassen und nahmen jetzt Kurs auf unser nächstes Tagesziel: den Gardasee.


Kurz vor Trient ging es ab auf die Autobahn. Schon nach 10 Minuten monotonem geradeaus Fahren erinnerten wir uns alle gerne nochmal an die tollen Eindrücke der letzten eineinhalb Tage in den Dolomiten.


Wir nutzten den nächsten Tankstopp um uns auf dem Spielplatz einer Autobahnraststätte um unsere nächste Bleibe zu kümmern. Dabei erinnerte ich mich zurück, als wir noch vor wenigen Jahren, als Sonja und ich noch mit dem Motorrad unterwegs waren, nach Ankunft in glühender Hitze im Lederkombi von Hotel zu Hotel fuhren um nach einem Zimmer zu fragen. Preisvergleiche waren praktisch unmöglich, denn spätestens nach der dritten Anfrage war es einem egal wie die Zimmer aussehen, oder was das Hotel kostet. Man wollte einfach nur aus den durchgeschwitzten Klamotten raus. Und heute sitzen wir mit einem Eis in der Hand vor meinem Smartphone und stöbern durch die Angebote der kleinen praktischen Helferlein, vergleichen Preise und Zimmerausstattungen und haben jedesmal wieder diese kleine Urlaubsvorfreude.


Wir ergatterten ein privat vermietetes Apartment in Bardolino, wo wir am späten Nachmittag von Alberto - unserem Vermieter - super herzlich empfangen wurden. Er erklärte uns kurz die Räumlichkeiten, erfragte wann und was wir frühstücken möchten und überließ uns dann wieder uns selber. Nach der langen Sitzerei im Auto verspürten Sonja und ich einen unheimlichen Bewegungsdrang. Wir schlüpften in unsere Laufschuhe, klappten die Scooter der Kinder auf und starteten zu viert entlang der Seepromenade einen lockeren Dauerlauf. Was gibt es schöneres? Die laue Luft der Abendstimmung auf der Haut, der Duft des verdunstenden Seewassers in der Nase und die Gewissheit, dass der Tag gemütlich bei einem leckerem Essen und Kaltgetränk mit seinen Liebsten irgendwo in der Altstadt von Bardolino enden wird?

Tag 3: Die Angst vor der Fahrt nach Riomaggiore

Der dritte Tag begann - sagen wir mal: sehr besonders. Wir gaben als Zeit zum Frühstücken ca. 9:00 Uhr an. Bereits eine halbe Stunde vorher begann Alberto das Frühstück anzurichten. Dabei wanderte er, mit einem Tablett bewaffnet, immer zwischen seiner und unserer Wohnung hin und her und brachte alle möglichen Köstlichkeiten zu uns. Dies machte er mit einer Gemütlichkeit und so viel Charme, dass ich ihm wirklich nicht böse sein konnte, als er völlig unvorangemeldet - ich hatte nach dem Duschen zumindest schon meine Unterhose an - im Wohnbereich vor mir stand. Sonja hingegen stand etwas "weniger bekleidet" noch im Bad und hätte auf dem Weg ins Schlafzimmer - wo unsere Koffer standen - am offenen Durchgang zum Wohnbereich vorbei gehen müssen. Sie beschloss kurzfristig im Bad an diesem Morgen mal etwas länger zu brauchen :)


Bevor es nun aber endlich in die Toskana gehen sollte, wollte ich mir mit meiner Familie unbedingt noch die Cinque-Terre anschauen. Das sind 5 malerische Dörfchen nördlich von La Spezia, die direkt am Meer in den Felsen gebaut wurden. Während meiner Recherche habe ich diverse male gelesen, dass davon abzuraten ist, die Orte mit dem Auto anzufahren, da die Straßen sehr eng und schlecht befahrbar seien. Es wird empfohlen, sein Auto in La Spezia stehen zu lassen und mit der Bahn weiter zu fahren. Sollten wir uns als Roadtriper so abschrecken lassen? Nein, wir ließen es darauf ankommen und nahmen direkten Kurs auf Riomaggiore: Es war die richtige Entscheidung!


Wir fuhren mit dem Auto auf einer super und neu ausgebauten Passstraße nach Riomaggiore. Dort ist direkt am Ortseingang ein Parkhaus. Dort parkten wir unser Auto, luden das für die nächsten 2 Tage nötige Gepäck aus und gingen damit den Weg in Richtung Ortskern. Dort trafen wir uns mit Cristina, unserer Airbnb-Gastgeberin. Cristina half uns mit dem Gepäck und brachte uns ein paar Meter und einige Treppenstufen weiter in unsere gemietete Wohnung, die schöner nicht hätte sein können. Alles war eng, klein und bunt, genau so wie Riomaggiore eben auch. Die Wohnung hatte so viel Charme, dass wir uns alle von Anfang an sehr wohl fühlten. Wir stellten das Gepäck ab, machten uns etwas frisch und zogen los, diesen tollen romantischen Ort zu erkunden.


Riomaggiore besteht - wie wahrscheinlich auch die 4 anderen Dörfer der Cinque Terre - zu 85% aus Stufen. Dabei gleicht keine Stufe der anderen, man muss sich beim Gehen also schon etwas konzentrieren. Vom Ortsanfang geht eine Breite Straße steil bergab zum Ortskern und endet dort direkt im Meer. Links und rechts der Straße findet man alles was man braucht: Restaurants, Bars, Einkaufsmöglichkeiten u.s.w. Da die Cinque-Terre längst kein Geheimtipp mehr sind, tummeln sich unter Tags Massen von Touristen, die meist mit der Bahn von Ort zu Ort fahren. Wenn aber gegen Abend alles etwas zur Ruhe kommt, versprüht Riomaggiore dermaßen viel Charme und Romantik, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es auch nur einen Menschen gibt, der dieser Romantik nicht sofort verfällt. 


Wir hatten das Glück einen der begehrten Plätze in einer Bar zu bekommen, die auf einer leichten Anhöhe direkt am Meer liegt. Hier beendeten wir diesen wunderschönen dritten Tag gemütlich und romantisch bei ein paar italienischen Kleinigkeiten, einem Aperol-Spritz und einem der schönsten Sonnenuntergänge die ich je gesehen habe.

4. Tag: Wanderung nach Manarola

Am nächsten Tag schnallten wir uns die Wanderschuhe an und machten uns auf den Weg nach Manarola, den nächstgelegenen Ort nördlich von Riomaggiore. Leider mussten wir schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass die Via dell'Amore - ein Weg, der die beiden Orte entlang der Küste miteinander verbindet - noch immer gesperrt war. So stärkten wir uns erstmal in einer Bar und machten uns dann auf, den etwas beschwerlicheren Weg über den Berg zu nehmen. 


Auch dieser Weg besteht - wie sollte es auch anders sein - fast ausschließlich aus Stufen. Es war kurz nach Mittag, als wir begannen die ersten Stufen hinauf zu steigen. Entsprechend warm war es und wir waren bei weitem nicht die einzigen, die diese Idee hatten. Uns kamen Touristen entgegen, denen es ins Gesicht geschrieben war, dass sie eine körperliche Ertüchtigung wie diese nicht regelmäßig machten. Als uns dann aber eine Frau bei ihrem Abstieg entgegen kam, beiden Arme - nicht Hände, nein Arme - eng um das Geländer geschlungen und uns völlig desillusioniert mit hochrotem Kopf ansah, bekam ich etwas meine Zweifel, ob unsere Mädels den kompletten Weg schaffen würden.


Aber unsere regelmäßigen Bergwanderungen machten sich bezahlt. Fit und munter erreichten wir Manarola, das ähnlich wie Riomaggiore strukturiert ist. Wir genehmigten uns einen Salat und tranken genügend Wasser, als Sonja plötzlich mit der Idee ums Eck kam: "Wir können doch eigentlich auch zurück laufen, anstatt wie geplant mit der Bahn zu fahren?". Zuerst wenig begeistert ließen sich die Mädels dann aber mit einer abendlichen Nachspeise bestechen, auch den Rückweg wieder über die vielen Stufen zu nehmen. Minou und ich legten dabei ein Tempo vor, dass wir die angegebene Wanderzeit um 15 Minuten unterschritten. Sonja und Shirin folgten nur kurze Zeit später.


5. Tag: Ankunft Toskana: So haben wir uns das nicht vorgestellt!

Mein erstes großes Ziel am nächsten Tag war es, das Gepäck den steilen Berg zum Auto zu transportieren, ohne dabei völlig schweißgebadet anzukommen. Was soll ich sagen? Es hat nicht geklappt. Obwohl ich so langsam ging, mich nicht ablenken ließ und wie ein Traktor genügsam aber stetig den Berg hinauf ging, bahnten sich schon auf halbem Weg die ersten Schweißperlen den Weg von meinem Rücken abwärts, dahin, wo es absolut unangenehm ist.


Die Fahrt über den wunderschönen Pass entlang der Küste Richtung La Spezia entschädigte aber alles. Wir verabschiedeten die Cinque-Terre mit einem weinenden Auge, aber der Gewissheit, dass wir uns nicht das letzte mal gesehen hatten!


Nach so viel Romantik waren nun wieder unsere Kinder dran. Wir brauchten also zwingend eine Unterkunft mit Pool. Ich fand auf Airbnb eine Apartment-Anlage in Campiglia Marittima mit großem Außenpool. Die Wettervorhersage für die nächsten Tage versprach viel Sonne. Der Pool konnte also auch genutzt werden. Außerdem würde am Sonntag ja auch der Osterhase kommen und dem wollten wir natürlich nicht zumuten, neben unserem Auto herlaufen zu müssen. Somit beschlossen wir 2 Nächte in dem Apartment zu bleiben.


Leider entsprach das was wir bei unserer Ankunft in Campiglia Marittima vorfanden überhaupt nicht dem, was wir erwartet hatten. Die Anlage war bis auf ein paar Bedienstete völlig ausgestorben, der Pool war nur halb voll mit Wasser und die Chefin selber war nicht vor Ort. Ein netter Bediensteter, der sich um den Garten kümmerte rief sie für uns an und zeigte uns schon mal unser Apartment. Dort warteten wir auf der Terrasse und wurden von Minute zu Minute, die die Frau nicht auftauchte, immer mutloser. Eigentlich haben wir schon beschlossen zu stornieren und weiter zu fahren, als ich einräumte, der Frau wenigstens noch eine Chance zu geben. Vielleicht sehen wir aufgrund der Enttäuschung ja alles etwas pessimistisch?


Als Tiziana - so heißt die Vermieterin - eintraf, war locker eine Stunde vergangen und unsere Stimmung entsprechend am Boden. Ich erklärte Tiziana unsere Situation und auch die Enttäuschung der Kinder über den Pool und sie konnte das alles sehr gut nachvollziehen. Sie erklärte uns, warum der Pool außer Betrieb war und empfahl uns als Alternative eine Bademöglichkeit im Nachbarort. Sie war sehr nett, hilfsbereit und jeder Lösung gegenüber aufgeschlossen, so dass sich unsere Stimmung im Nu verbesserte. Tiziana zeigte uns verschiedenste tolle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Nähe, aber auch für später, entlang unserer Route. Außerdem sagte Sie, dass am selben Abend und am nächsten Morgen weitere Gäste ankommen würden, wir waren also nicht alleine auf der weitläufigen Anlage.


Wir bezogen nun freudig unser Apartment und machten uns auf den Weg in das nächste Einkaufszentrum. Dort kauften wir Brot, Tomaten, Gemüse, Fisch und Obst, um uns die nächsten beiden Tage selbst verpflegen zu können. Außerdem mussten wir ja auch noch dem Osterhasen assistieren und die ein oder andere Nascherei besorgen.

Zurück im Apartment öffneten Sonja und ich uns einen Weißwein und wir begannen gemütlich zu viert unser Abendessen zu kredenzen. Die Tomaten mit dem Knoblauch und dem Olivenöl waren köstlich und der Fisch eine echte Delikatesse. Es ist immer wieder erstaunlich, wie besonders ein selbst zubereitetes Essen im Kreise der Familie nach Tagen der Bewirtung doch ist.

Tag 6: Wir brachen den Roadtrip ab

Wir haben allesamt so gut geschlafen, dass wir am nächsten Morgen fast unser Frühstück verpassten und das wäre wirklich schade gewesen. Denn so ein leckeres und v.a. liebevoll serviertes Frühstück hatten wir selten.


Wie angekündigt war mittlerweile eine weitere Familie eingetroffen, die schon etwas länger am Frühstückstisch zu sitzen schien.

Eine Dame fragte uns was wir trinken möchten und fing dann an uns die ganzen aufgetischten und v.a. selbst zubereiteten Köstlichkeiten zu erklären. Eingelegte Artischockenherzen, hausgemachter Kuchen, frisches Obst, und, und, und.

Unseren letzten Kaffee nahmen wir mit in die Sonne, wo ich uns zwei runde Gartentische zusammenstellte an denen die Kinder anfingen zu malen. Sonja und ich wollten die Zeit nutzen um gemütlich die Fotos der letzten Tage zu sichten.


Und dann, als wir 4 so gemütlich in dem Garten saßen und uns anfingen so richtig wohl zu fühlen, klingelte Sonjas Telefon. Gerade noch erzählte Sonja ihrem Vater mit Glanz in den Augen davon, wie gut es uns ging, als nach kurzer Pause ihr Gesichtsausdruck und ihre Stimme klar signalisierten: Zu Hause ist etwas passiert.


Wir brachen den Raodtrip an dieser Stelle ab, werden ihn aber irgendwann, in Gedanken und zu Ehren eines ganz besonderen Menschen, von Campiglia Marittima aus fortsetzen.


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