Mythos-Sportwagen 2016

56 Supersportler heizen in einem irre Tempo den Großglockner rauf - wir waren dabei.

Wake-Up

Ein Hotelzimmer in Zell am See, 6.00 Uhr, der Wecker meines Handys klingelt in seiner penetrantesten Art und Weise. Kennt ihr dieses Gefühl die ganze Nacht wach gelegen zu sein und erst mit dem Klingeln des Weckers zu merken, dass das eigentlich gar nicht stimmt, man sich aber trotzdem genau so fühlt? Ich öffne widerspenstig meine Augen und registriere: ich bin nicht zu Hause! Ich drehe mich nach rechts und sehe, dass es Sonja ganz offensichtlich nicht anders ergeht. Als sich mein Körper nach längerer Schlummerzeit dann endlich dazu überreden lässt aufzustehen, bemerke ich dieses leicht nervöse Gefühl im Bauch, das man von Abschlussprüfungen kennt. Was wird uns dieser Tag wohl bringen?

Treffpunkt Flugplatz Zell am See

Pünktlich um 7.00 Uhr fahren wir auf die Rollbahn am Flugplatz in Zell am See. Aufgrund unserer Startnummer werden wir der 4. Gruppe zugeteilt. Wir reihen uns am Ende der Fahrzeugschlange ein, stellen den Motor ab und steigen aus.

Langsam lasse ich den Blick über den Flugplatz schweifen: Audi R8, Aston Martin Vantage V8, BMW M3 E36, Ford Shelby GT 40, Jaguar F-Type R, Lamborghini Aventador, McLaren 570, Mercedes C63 AMG, Nissan GT-R, 370Z, Porsche GT3 RS, um nur einige wenige zu nennen. Mein nervöses Bauchgefühl wird überschattet von dem ansteigenden Herzschlag und zwei Mundwinkeln, die aussehen als würden sie mir mittels Angelhaken gewaltsam nach hinten gezogen. Ich fühle mich wie im 7. Himmel. Realistisch betrachtet kann der Tag eigentlich nicht mehr schöner werden! Pünktlich um 7:30 Uhr geht es dann mit dumpfem, grollendem Sound im Konvoi Richtung Großglockner.

Start an der Kasse "Ferleiten"

56 Sportwagen stehen Stoßstange an Stoßstange in den verschiedensten Farben in einer Reihe am Fuße des Großglockners und warten darauf im 15 Sekundentakt losgelassen zu werden, um wie eines dieser aufziehbaren Modellautos in möglichst einem Flow die Bahn bis zum Ziel durchzufahren. Mein Adrenalinspiegel steigt ins Unermessliche. In welcher Geschwindigkeit soll ich fahren? Auf keinen Fall möchte man sich die Blöße geben und von seinem Hintermann eingeholt werden, auch wenn das keiner zugeben würde, wir sind ja "erwachsen". Ich drehe meinen Kopf nach rechts und sehe Sonja, die mit starrem Blick durch die Windschutzscheibe schaut. Ihre Gesichtsfarbe und Körperhaltung signalisieren mir: Nicht entspannt. Noch ca. 10 Fahrzeuge vor uns...


Und dann ist es soweit, wir stehen ganz vorne. Mit heruntergelassener Scheibe stehe ich neben dem Veranstalter - Wolfgang Fousek - der mich in kurzen klaren Worten bezüglich der Radfahrer auf der Strecke sensibilisiert und dann anfängt von 5 rückwärts herunter zu zählen. Oh Gott, ich spüre meinen Herzschlag in jeder Haarspitze, höre nur noch das "los", drücke reflexartig das Gaspedal bis zum Boden durch und spüre wie ab 3500 Umdrehungen die Turbos ihr Bestes geben und uns die Beschleunigung mit unfassbarer Kraft in die Sitze presst. Vorbei an den Fotografen, die sich rechts und links neben der Strecke aufgereiht haben, in eine langgezogene Rechtskurve den Berg hinauf in Richtung aufklarenden Himmel.

Die noch nasse Straße lässt das Auto beim Beschleunigen immer wieder etwas quer kommen, was mir jeweils unmittelbar von rechts quittiert wird. Je nach Geschwindigkeit variieren diese Kommentare von kurzen, lauten Prägnanten "Rrobbin" bis hin zu kreischenden langgezogenen "Rrrrooooobiiin, wir ruuutscheeen...". Ab der fünften Kurve ist klar, dass diese Gefühlsausbrüche nicht mehr abreißen werden. Mein Gehirn schaltet automatisch auf Frequenzfilter und fokussiert sich voll auf die Straße. Eine Kehre reihte sich an die nächste, die Geraden dazwischen werden immer kürzer, vorbei an Fahrradfahrern, die sich mittlerweile an freien Plätzen neben der Fahrbahn versammelt haben, um sich das Spektakel anzusehen.


Nach nicht ganz 9 Minuten haben wir eine kleine Gruppe unserer Vordermänner eingeholt. Unser direkter Vordermann - Michael im C63 AMG - hat bereits zwei Fahrzeuge überholt, hängt aber noch hinter einem anderen Nissan GT-R fest. Leider hält sich der Fahrer des GT-R nicht an die Empfehlung des Veranstalters, schnellere Fahrzeuge vorbei zu lassen und zwingt uns, die wir hinter ihm sind, zu etwas risikoreichen Überholmanövern. Den Anfang macht der AMG, gefolgt von Markus der im Aston Martin hinter uns startet und gleich eine ganze Kolonne überholt. Kurz vor Passhöhe tue ich es ihm gleich und lasse einen Maserati und besagten GT-R hinter uns. Das Ziel ist nun klar definiert: Aston Martin Vantage V8. Mittlerweile geht es wieder bergab und man muss etwas beim Anbremsen der Kehren aufpassen, da die Straße nach wie vor nass ist. 1:30 Minuten später ist das Ziel erreicht: wir haben Markus im Vantage eingeholt.

Wir fahren von nun an in einer Zweier-Gruppe, in einer rasanten aber nicht übertriebenen Geschwindigkeit, lassen noch einige andere Fahrzeuge hinter uns und rollen dann, 27 Minuten nach Start, auf den Parkplatz der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, wo wir unser Auto inmitten der anderen Fahrzeuge einreihen, uns strahlend ansehen und eindeutig einer Meinung sind: Das war der Hammer!

Boxenstopp in Matrei an der Alte Mühle

Nach einem reichhaltigen Frühstück auf knapp 2400 m Höhe geht es frisch gestärkt weiter in Richtung Matrei. In einem Konvoi von 56 Fahrzeugen fahren wir bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein den Glockner hinunter. Trotz der langen Pause ist es anfangs etwas ungewohnt auf Normalgeschwindigkeit umzuschalten, sobald ich das Lenkrad wieder in der Hand halte bemerke ich meinen noch etwas nervösen Gasfuß. Sonne und Landschaft helfen aber sehr schnell mein Gemüt zu beruhigen und so haben wir Zeit diese unfassbar schönen Bergszenen zu genießen. In Matrei empfängt uns das Wirtshaus Alte Mühle mit einem reichhaltigen und leckerem Mittagsbuffet. Wir nutzten die Zeit bis zum Aufbruch um die anderen Fahrzeuge mal aus der Nähe zu betrachten.

Demofahrt auf abgesperrter Strecke

Als nächstes Highlight steht die Fahrt zum Berggasthof Mitterberg in Zell am See auf dem Programm. Die ca. 4km lange Strecke vom Fuße des Berges bis hin zum Gasthof wurde komplett für uns gesperrt. So kann man ohne Angst vor Gegenverkehr die komplette Fahrt in vollen Zügen genießen. Das Prozedere ist gleich dem an der Kasse Ferleiten: es wird im 15 Sekunden-Takt losgefahren. Vor uns fährt ein wunderschöner Dodge Challenger, den wir auch nach kurzer Zeit einholen. Ich öffne mein Fenster und genieße den V8-Sound der uns in tiefem Grummeln eindringlich beschallt.

Am Gasthof angekommen holen wir uns ein Wasser, setzen uns in die Sonne und genießen den unbeschreiblichen Blick auf den Zeller See.


Ziel: Flugplatz Zell am See zum freien Fahren.

Ziel des Tages ist wieder der Flugplatz in Zell am See, wo wir gut 11 Stunden zuvor gestartet waren. Hier wird jetzt ein freies Fahren angeboten welches wir nicht mehr wahrnehmen können da wir auf die 30er-Feier meiner Schwägerin eingeladen sind. Somit machen wir uns auf nach Rosenheim, wo wir bei einem Flascherl Bier unsere Erlebnisse des Tages nochmals Revue passieren lassen und der Tag einen wirklich krönenden Abschluss bekommt.

Fazit:

Ganz klar, ein unvergesslicher Tag. Herr Fousek und sein Team hatten alles bestens organisiert. Man wurde an jeder Kreuzung in die richtige Richtung gewiesen, an den entsprechenden Stellen vor Blitzern gewarnt und während der Boxenstopps über wissenswerte Dinge informiert. Mein persönliches Highlight war natürlich die Fahrt über den Großglockner!

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