Ab nach Mallorca

Nach Mallorca kann man nicht nur fliegen, nein: Es geht auch mit dem Auto!

"Ich würde gerne mal nach Mallorca..."

Das war Sonjas Antwort auf die Frage, wo sie denn gerne mal Urlaub machen möchte. "Ehhhcht???": Mir schossen sofort Bilder durch den Kopf, als ich vor ca. 20 Jahren mit Danny und Heeleeh im vierzehntägigen Dauerrausch am Ballermann so allerhand Sachen erlebte, die man lieber nicht mit seiner Familie in Verbindung bringen möchte. Nicht mal gedanklich!


"Mallorca? Warum denn Mallorca? fragte ich nach. "Da soll es total schön sein!" Sonja hatte längere Zeit im Reisebüro gearbeitet und jeder der von einem Mallorcaurlaub zurück kam, war restlos begeistert. "Aber ich war da schon. Und sooo toll ist es da auch nicht. Lauter betrunkene Jugendliche. Willst du da echt mit den Kindern hin?" Sonja neigte den Kopf zur Seite, zog die Augenbrauen hoch und sah mich mit weit geöffneten Augen an. Damit war alles geklärt: in dieser Diskussion werde ich Zweiter.

Also fing ich an mich über Mallorca genauer zu informieren und ich muss zugeben, dass Sonjas Aussage mit jedem Bericht den ich gefunden hatte, bestätigt wurde. Mallorca muss abseits vom Ballermann eine atemberaubende Insel sein.


Die Frage nach dem "Wohin" war also geklärt. Die Frage nach dem "Wie" schien sich nur mir alleine zu stellen, denn Sonja schaute mich etwas entgeistert an, als ich diese Frage verbal artikulierte: "Ja, fliegen halt! Wie denn auch sonst?" "Wir könnten ja auch mit dem Auto bis Barcelona und dann mit der Fähre..." Sie unterbrach mich mit einem lauten Lachen, verschluckte sich aber dann fast, als sie merkte, dass ich meinen Vorschlag ernst meinte. "Mit dem Auto? Spinnnnnst du? Da gibt es Flüge für unter 100 Euro pro Person. Das haben wir schon verbraucht, wenn wir mit deinem Auto die Ortsgrenze überschritten haben! Das meinst du nicht ernst, oder?" Jetzt mussten schlagkräftige Argumente her, wenn ich aus dieser Diskussion nicht auch als zweiter Gewinner hervorgehen wollte. "Ok, ich überdenke das nochmal."


Ich zog es anfangs erstmal wirklich in Erwägung mit dem Flugzeug auf die Insel zu fliegen und dort ein Auto zu mieten. Allerdings kristallisierte sich rasch heraus, dass alle Fahrzeuge, die ähnlich "passtauglich" waren wie unser GT-R, unter die Rubrik Luxuskarosse vielen und somit auch entsprechend kosteten. Und auch wenn es mir keiner glaubt, aber ich hätte wirklich Lust gehabt 10 Tage mit einem offenen Mustang GT o.ä. die Insel zu bereisen, aber das war mir keine 3000 Euro wert. Und mit diesem Argument konnte ich dann auch bei meiner lieben Frau punkten. Sie unternahm zwar noch einen letzten Versuch mit der Frage, ob wir uns denn nicht wie normal denkende Menschen, ein normales Auto ausleihen könnten, aber ihr war klar, dass sie damit bei mir auf Granit beißen würde. Wir hatten also einen Kompromiss gefunden: Wir fahren mit unserem Auto nach Mallorca.

Anfahrt

Die Hinfahrt gemütlich und ereignisreich entlang der Côte d' Azur zu gestalten, mussten wir über Board werfen. Laut Staumeldungen hatten nicht nur wir die Idee, am ersten Tag der Pfingstferien in den Süden zu fahren. Wir planten also kurzerhand um und fuhren über die Schweiz.


Über unsere Hassliebe zu Frankreich habe ich ja schon das ein- oder andere mal geschrieben. Und ich versuche wirklich wieder jedesmal auf's Neue, mit einem positiven Grundgefühl nach Frankreich zu fahren, aber irgendetwas ist immer: Wir stehen bei strahlendem Sonnenschein vor dem Grenzübergang zu Frankreich, als plötzlich der Himmel zu zog, alles grau wurde und es anfing wie aus Eimern zu regnen: Herzlich willkommen in Frankreich. Und als ob das nicht schon genug wäre, begann abermals eine Odyssee auf der Suche nach einer Tankstelle bei fast leerem Tank. Aber das gehört für uns mittlerweile zu den fast schon regelmäßigen Besuchen bei unseren französischen Nachbarn dazu.


Wir hatten erstmals wirklich gar nichts gebucht, bis auf die Fähre. Somit konnten wir die Hinfahrt gestalten wie wir wollten, und evt. ist das auch das Geheimnis des Erfolges. Da wir kein Ziel hatten wo wir übernachten sollten, gab es auch die Frage nicht, wann wir endlich ankommen würden. Im Gegenteil, auf meine Frage, ob wir uns eine Bleibe für die kommende Nacht suchen oder weiterfahren sollten, waren sich alle einig: weiterfahren. Wir fuhren somit am ersten Tag über 1000 km, bis nach Avignon. Dort übernachteten wir in einem Apartment nahe der Autobahn. 

Am nächsten Morgen brachen wir, nach einem leckeren Frühstück in der Altstadt des nicht weit von Avignon entfernten Ort Nimes, unseren Endspurt an. Die letzten 4 Stunden bis Barcelona vergingen wie im Flug. Ausgeruht und gut gelaunt erreichten wir kurz nach Mittag unsere nächste Unterkunft, die nur wenige Minuten vor Barcelona lag und zauberhafter nicht hätte sein können. Es war eine zu einem Gästehaus umfunktionierte Villa, mit wunderschönen großen, hellen renovierten Zimmern. 


Nachdem wir unsere 2 Nächte mehr als genossen und uns zusammen mit meinem Bruder - der ja in Barcelona lebt - durch die leckersten Restaurants der Stadt schnabulierten hatten, hieß es am Dienstag dem 6. Juli: Ab nach Mallorca. Mit der Erlaubnis unserer Gastgeber verbrachten wir den Tag noch am Pool, und starteten erst gegen 18.00 Uhr los nach Barcelona. Dort suchten wir uns in der Nähe des Hafens einen Parkplatz, machten noch ein paar Fotos und aßen lecker zu Abend. Gegen 23:00 Uhr, nach einer kurzen Wartezeit, wurden wir dann auf die Fähre gelotst. Der lange Tag hatte seine Spuren hinterlassen, so dass wir alle vier einfach nur in die Koje fielen und nicht mal mehr mitbekamen, als wir aus dem Hafen liefen.

Ankunft in Palma

Am nächsten Morgen wurden wir etwas unsanft aus dem Schlaf geklopft. Ein erster Blick aus dem Fenster ließ dafür Freude aufkommen: Wolkenfreier Himmel, Sonne pur und strahlend blaues Meerwasser. Wir machten uns fertig, packten alles zusammen und gingen zu unserem Parkdeck. Gegen 7:00 Uhr rollten wir dann tatsächlich mit Godzilla von der Fähre und fuhren entlang der noch etwas verschlafenen Promenade von Palma. Wir öffneten die Fenster und genossen die noch angenehm kühle Luft, den Sonnenschein, die Palmen entlang der Straße und den uneingeschränkten Blick auf das Meer. Es war genau dieser Augenblick, als mir bewusst wurde wie wunderbar verrückt das alles war! Wir haben es wirklich getan...


Unser erstes Frühstück nahmen wir in einer Bäckerei, in Strandnähe, zu uns. Und hier trank ich ihn zum ersten mal: einen frisch gepressten Orangensaft auf Mallorca. Leute - der schmeckt wie von einem anderen Stern. Anfangs weigerte ich mich zu glauben, dass der natürlich sei. Ich ging davon aus, dass die uns da irgend ein Pulver reingemischt hatten. Aber der war echt! Und er schmeckte genau so, wie auch all die anderen Gläser mit frisch gepresstem Orangensaft, die wir in den folgenden Tagen zu uns nehmen würden. Somit hier schon mal ein erster Tipp: Wenn ihr irgendwann auf Mallorca seid, trinkt Orangensaft so viel wie in euch reinpasst!


Nach einem kurzen Strand-Check machten wir uns dann auf, zu unserer ersten Bleibe: einem Bauernhof und einer ersten bösen Überraschung.


... weiter geht’s im nächsten Teil.

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