Der Pyrenäentrip - Teil 1

Der Drang meine neue Leidenschaft unbedingt ausleben zu müssen lässt mich zum Akteur werden. Das Ergebnis: eine 4000 km Route und eine kopfschüttelnde Frau.

Ein Roadtrip mit der Famile, kann das funktionieren?

Ein altbekanntes Gefühl des unbedingten Schaffensdrangs machte sich in mir breit. Ich musste doch irgendwas mit meiner neuen Leidenschaft anfangen, aber was und v.a. mit wem? Klar, mit dem GT-R durch die Berge zu fahren macht in jedem Fall Spaß. Aber der eigentliche Grund warum wir in den Dolomiten so viel Freude hatten, waren nicht die Dolomiten und auch nicht das Auto, sondern es war die Gruppe: 

Wenn ich mit der Familie durch den Tunnel fahre, die Fenster runter lasse und Vollgas gebe, dann erreiche ich damit lediglich, dass Sonja vor lauter Scham immer weiter in ihrem Sitz versinkt. Machen aber Can und Sebastian vor uns genau das gleiche, verteilt sich das Schämen scheinbar auf alle Beteiligten und bei uns im Auto tritt ein euphorisches Gelächter aus.


Unser Freundeskreis schied leider aus. Nicht nur, dass kaum einer dabei ist der meine Liebe für Sportwagen teilt, für die meisten ist das Reisen im Auto - dies entspricht einer Fahrt von mehr als 50 km - eine Unannehmlichkeit welche man billigend in Kauf nimmt, um an seinem Ziel anzukommen, auf keinen Fall aber ist es ein Spaßfaktor. "...und dann noch mit Kindern!? ..."

Sonja sah das ähnlich wie ich. Auch sie konnte sich nicht vorstellen, dass uns ein Roadtrip zu viert auch nur annähernd das bieten kann, was wir mit thepluses erlebt hatten.

Was also tun bei solch fundamentalen Problemen? Aufgrund fehlender Optionen und der Tatsache, dass wir uns eine andere Art Urlaub nur noch schwer vorstellen konnten, entschlossen wir uns einen Raodtrip als vierköpfige Familie zu unternehmen. Für den ersten Probelauf plante ich eine Reise in die Region des Gardasee. Genauer gesagt führte die Route über Frankreich in das spanische San Sebastian am Atlantik, von dort quer über die Pyrenäen zum Mittelmeer, entlang der Côte d’Azur und erst nach einem kurzen Abstecher an der Verdonschlucht, an den wunderschönen Iseosee, welcher ca. 80km westlich vom Gardasse liegt. Ich nahm also einen gewissen Umweg in Kauf.

"Über 4000 km: Spinnst du?"

Ich lief mit meiner genialen Idee bei Sonja jetzt nicht unbedingt offen Türen ein. Man kann sogar behaupten, ich traf auf ein gewisses Unverständnis. Dabei war ihr größtest Problem noch nicht mal die Strecke durch die Berge oder der Weg von Spanien wieder nach Hause. Nein, es waren die 1600 km die es zu überbrücken galt, um zu unserem Ausgangspunkt zu kommen. In meiner Verzweiflung unternahm ich mehrer Anläufe die Strecke zu den Pyrenäen per Google Maps irgendwie zu verkürzen, was mir aber leider nicht glückte. Auch der Versuch, den Hinweg quer durch Frankreich auf 3 x 600 km anstatt 2 x 800 km aufzuteilen, brachte mir bei Sonja nicht den gewünschten Erfolg. Denn dies würde ja bedeuten, dass man noch mehr Zeit im Auto verbringt!? Mein Vorhaben, dies mathematisch zu widerlegen, habe ich schon im Ansatz abgebrochen, gab ihr vollkommen Recht und fragte: "Dann doch lieber 2 x 800 km?" . Sie überlegte kurz und antwortete dann: "Ja, also wenn dann lieber so". Zustimmend nahm ich zur Kenntnis, dass es wohl doch nicht vollkommen ausgeschlossen war meinen Plan in die Tat umzusetzen.

Im Auto in Richtung San Sebastian

Ich ergänzte meine Route noch durch diverse Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, um bei der Wahl der Unterkünfte eine gewisse Orientierung zu haben.  Ich verzichtete aber bis auf 2 Ausnahmen darauf, vorab etwas zu buchen. Lediglich eine Art Hostel für unseren kurzen Zwischenstopp in Lyon und ein viertägiger Aufenthalt im baskischen San Sebastian wurden vor Abreise gebucht, alles Weitere wollten wir spontan und von unterwegs aus machen.

Am Donnerstag dem 25. August 2016 war es dann soweit: Wir fuhren los. Im Gepäck hatten wir 2 Koffer mittlerer Größe, die voll mit Klamotten und Waschzeug waren, einen Beutel mit Schuhen - jeder 2 Paar - eine Technik-Tasche mit Laptop, Adaptern und verschiedenen Ladekabeln, eine GoPro, eine Fotokamera, 2 Tablets mit diversen Kinderfilmen sowie 2 Scooter. Der Kofferraum war randvoll. 


Mein Plan war es, die ganze Tour in einer Geschwindigkeit zu fahren, die jedem im Auto behagte. Leider wurde dieses Vorhaben auf dem Weg in Richtung Schweizer Grenze von einer kleinen Gruppe Sportwagen, die an uns vorbei rauschte, zu Nichte gemacht. 

Was soll ich sagen, der Geist war willig, aber mein rechter Fuß........ Als die Tachonadel die 220 überschritt, wurde mir von rechts signalisiert, dass diese Geschwindigkeit als durchaus ausreichend empfunden wurde. Ich erinnerte mich an meinen Plan, gab das an meinen rechten Fuß weiter und die Tachonadel bewegte sich gegen den Uhrzeigersinn, als plötzlich von rechts ein blauer Audi A4 auf gleiche Höhe aufschloss. Verdutzt drehten wir unsere Köpfe nach rechts und sahen dort einen etwa zwanzig Jahre jungen Kerl, der uns mit breitem Grinsen und freudig strahlenden Augen seinen nach oben gerichteten Daumen durch das offene Fenster entgegenstreckte. Angesteckt von seiner Freude fingen wir alle an zu lachen und uns ebenfalls zu freuen. Ich tat ihm - nicht ganz widerwillig - den Gefallen, schaltete 2 Gänge zurück und gab vollgas. Als er nach kurzer Zeit wieder neben uns war, schien sein Mund vor lauter Begeisterung den kompletten Platz in seinem Gesicht einzunehmen. Ich kann euch gar nicht beschreiben wie schön es ist Menschen zu treffen, die sich so mit einem freuen können!


Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Schweiz, wo wir uns in glühender Hitze bei einem leichten Essen und einem kühlen Getränk stärkten, kamen wir gegen 22.00 Uhr in unserem Hotel in Lyon an. Am nächsten Morgen ging es dann nach einem leckeren, französischen Frühstück weiter in Richtung Atlantik. Die Fahrt verlief weitestgehend ereignislos. Lediglich eine automatisierte Mautstation, kurz vor der spanischen Grenze, sorgte für Aufregung, als unser Ticket von dem Automaten nicht gelesen werden konnte. Der Fahrer hinter uns war aber sehr hilfsbereit und klärte das mit der in französisch ertönenden Stimme aus dem Lautsprecher des Automaten. Wir zahlten 8 Euro und konnten weiter fahren. Nach Passieren der spanischen Grenze kam so etwas wie ein heimisches Gefühl in uns auf und die Vorfreude auf 4 Tage Baskenland wuchs mit jedem Kilometer, dem wir San Sebastian näher kamen.

Pintxos und der Atlantik

Pintxos

San Sebastian ist eine kulinarische Hochburg. Nirgends sonst konzentrieren sich so viele Sterneküchen auf so engem Raum. In den schnuckeligen Bars, die sich Tür an Tür in den engen Gassen der Altstadt aneinanderreihen, dreht sich alles nur um das eine: Pintxos! Diese kleinen, teilweise zu Kunstwerken aufgetürmten Leckereien, ziehen ab 20.00 Uhr alle Menschen zum zelebrieren des Abendessens auf die Straße. Selten war ich von einer Esskultur so angetan wie hier. Entweder man holt sich die Pintxos seiner Wahl direkt an der Bar und genießt diese dann draußen im Stehen, mit einem Bierchen, inmitten all der anderen Menschen oder man setzt sich an einen der kleinen Tische und bestellt bei einem Kellner. Den größeren Reiz hat sicherlich das ungezwungene Essen im Stehen, allerdings war das mit unseren Mädels nicht machbar, da die Stehtische schlichtweg zu hoch waren. Ohne zu reservieren hatten wir jeden Abend aufs neue Glück und ergatterten in immer wieder neuen Bars einen der begehrten Sitzplätze, tranken, aßen und hatten viel Spaß.


Ein weiteres Highlight war natürlich der atlantische Ozean. Das Wasser war kristallklar, warm aber trotzdem erfrischend und hatte ein tiefes, freundliches Blau. Mit meinen Mädels in den Wellen zu toben, die mich beide fest umklammerten und schrien: "Papaaaa, eine Weeeelleeee...", war sicher eines der Erlebnisse auf diesem Trip, die ich nie vergessen werde!


Nach 3 Nächten San Sebastian zog es uns dann wieder weiter in die Berge, genauer gesagt in die Pyrenäen, wo uns in den nächsten Tagen noch zahlreiche Erlebnisse und eine Verfolgungsjagd mit der französischen Polizei bevorstehen sollte.

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